Samstag, 18. Dezember 2010

Schlagworte

 "Schlagworte"
Weil wir uns im Alltag nicht mehr mit herkömmlichen Waffen begegnen, um Konflikte zu lösen oder unseren Willen durchzusetzen, verwenden wir ein anderes , sehr taugliches Mittel, die Sprache. Allerdings ist sie auch ein überaus mächtiges Mittel.
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                                                                Mit Sprache zum Job


Seit der Antike hat sich ein gigantisches Repertoire an Regeln entwickelt, Sprache zum eigenen Vorteil einzusetzen.
Schon aus dem Wissen heraus, das jemand der Sprache nicht ganz mächtig ist oder schwerhörig ist, lässt sich ein Vorteil daraus gewinnen. Derartige Kommunikationsunterbrechungen des Gesprächspartners verleiten diesen dazu einfach JA zu sagen, obwohl er doch NEIN gesagt hätte.
Aus der alltäglichen und geschäftlichen Kommunikation haben sich regelrechte Codes entwickelt, die eine gezielte Wirkung auf seinen Kommunikationspartner erzielen sollen. Wir gehen davon aus, dass der Ursprung nicht etwa die Politik sondern der Handel ist.
Die wichtigsten Sprach-Codes

ALLITERATION: DER STABREIM
BEISPIELE: Mit Kind und Kegel, bei Wind und Wetter, durch dick und dünn.
WIRKUNG: Die Wiederholung einer immer gleichen Silbe oder des gleichen Lauts verstärkt die sprachliche Schlagkraft.


CHIASMUS: ÜBER KREUZ
BEISPIEL: Fisherman's-Friend-Werbung: „Sind sie zu stark, bist du zu schwach."
WIRKUNG: Die Kreuzstellung von zwei Gegensatzpaaren macht die Kernbotschaft besonders überzeugend.


ANAPHORA: SATZWIEDERHOLUNG
BEISPIEL: „Yes, we can!" in den Obama-Reden.
WIRKUNG: Der Satz wird durch die ständige Wiederholung besonders gut erinnert. Obamas „Yes, we can" wurde so ein Markenzeichen. Die Kürze des Ausspruchs hat einen hohen Prägewert.


IDENTIFIKATION: TEAM-GEFÜHL
BEISPIEL: „Siemens - wir gehören zur Familie." WIRKUNG: Menschen sind soziale Wesen. Alles, was ihnen ein Gruppengefühl gibt, hat eine positive Wirkung. Das Gefühl wird auf die Botschaft übertragen.


METONYMIE: NAMEN REIZEN
BEISPIELE: Kaiser Franz,  Dr.Chaos, Eiserne Lady...
WIRKUNG:Reizwörter (in diesem Fall Abwandlungen von Namen) erzeugen Aufmerksamkeit, Verbindungen zwischen Namen und Gefühlen.


PARADOX: SCHEINWIDERSPRUCH
BEISPIEL: „Wer alles weiß, hat nichts begriffen."
WIRKUNG: Das Paradox macht neugierig, man will den Widerspruch auflösen. So beschäftigt' man sich mit der Botschaft.
Es gibt Sätze, die schlagen ein wie eine Bombe und verursachen einen Flächenbrand. Aber es gibt auch Alternativen.

Der kommunikative Code

,,Ein einziges Wort, ein kurzer Satz kann einen Menschen demütigen oder aber auf den Thron der Macht heben", sagt Rolf Ruhleder, einer von Deutschlands renommiertesten Rhetorik-Experten. Der Trainer und Buchautor schult in seinen Seminaren Redner, Politiker, Sportler und Manager. So bringt er ihnen etwa bei, wie sie sich gegen Provokationen in Diskussionen oder bei Vorträgen zur Wehr setzen können.
Verunsicherungstaktiken gibt es viele. Etwa die Schock- oder Angriffsfrage (falls der andere schweigt): „Willst du oder kannst du mir (etwa) keine klare Antwort geben?" Ein guter Schachzug kann auch die motivierende Frage sein, wobei man ihr mit dem Tonfall auch Ironie beimischen kann: „Was sagst du denn als Fachmann dazu?" oder ,,Was verstehst du darunter?" Die Gegenfrage ist die beste Reaktion in einer brenzligen Situation. Sie zwingt den Gegner plötzlich, seine Meinung zu formulieren. Wenn er darauf nicht vorbereitet ist, wird er schlecht aussehen. Und schon sind Sie wieder obenauf...

Sprache als Waffe

Das Team des Psychologen Dr. Thomas Weiß an der Universität Jena
 konnte jetzt nachweisen: Nicht nur physischer Schmerz alarmiert die Schmerzzentren im Gehirn, sondern auch Wörter. Das menschliche Gehirn verarbeitet sie genauso wie den Stich mit einer Nadel.
Allein der Klang von Wörtern verursacht ein heftiges Neuronenfeuer im Gehirn - und zwar nicht nur in den sprachverarbeitenden Zentren. „Das Schmerzgedächtnis unserer Probanden wurde aktiviert, sobald sie die Wörter ,quälend`,zermürbend` oder ,plagend` hörten".
Die Studie zeigt: Sprache transportiert weit mehr als Botschaften. Wir können uns ihrer emotionalen Macht gar nicht entziehen. „In unserer Gesellschaft ist Sprache eine der wirkungsvollsten, aber auch gefährlichsten Waffen", sagt Clemens Knobloch, Professor für Sprachpsychologie an der Universität Siegen.
,,Jeder kennt das: Wörter können tief verletzen, sie können zerstören, aber auch motivieren und glücklich machen." Sie öffnen Türen und Herzen. Mit anderen Wörtern wiederum schlagen wir Türen hinter uns zu, reißen so tiefe Wunden in die Beziehungen zu anderen, dass sie nur noch schwer heilen sind.
Wie werden Worte zu präzisen Werkzeugen der Macht?
lesen Sie weiter im Post "Der kommunikative  Code"